Project 26
Vernissage: Fr, 26. 6. 2026, 17 – 21 Uhr
Finissage: So, 30. 8. 2026, 11 – 17 Uhr
Artist Talk: Do 13. 8. 2026, 19 Uhr
Samstagsführung: 25.7. / 22.8. 2026, 15 Uhr
Öffnungszeite:
Mi bis Fr, 15 – 18.30 Uhr, Sa, 13 – 17 Uhr
oder nach Vereinbarung
Die Ausstellung vereint vier künstlerische Positionen. Ausgehend von unterschiedlichen Medien und Arbeitsweisen setzen sich die Arbeiten mit den Bedingungen von Wahrnehmung, Transformation und Realität auseinander. Im Zentrum steht die Frage, wie Bilder, Materialien und räumliche Situationen unsere Erfahrung von Welt formen und wie sich digitale, physische und atmosphärische Ebenen gegenseitig durchdringen. Die einzelnen Positionen eröffnen dabei unterschiedliche Perspektiven auf das Verhältnis von Sichtbarkeit, Präsenz und Veränderung und machen erfahrbar, wie sich Realität in einem fortwährenden Prozess von Überlagerung und Wechselwirkung konstituiert.
Infos Ausstellung Project 26 >
o.T. / 2026 eingefärbte Glasnudeln
Vergandung / 2021 Fine Art Prints 156 x 156 cm,
Weisses Rauschen / 2022 AV-Installation; Video Full HD
o.T. / 2026 eingefärbte Glasnudeln
Vergandung / 2021 Fine Art Prints 156 x 156 cm,
Weisses Rauschen / 2022 AV-Installation; Video Full HD
Das Werk von Franziska Baumgartner erforscht konsequent die materielle Autonomie. An der Schnittstelle von bildender Kunst und Naturwissenschaft entwirft sie Versuchsanordnungen: Sie initiiert strukturbildende Prozesse, überlässt dem Material letztlich jedoch oft die formgebende Eigendynamik. So entstehen Arbeiten, die weniger als feste Objekte, denn als Momentaufnahmen eines fortwährenden Werdens erscheinen. Räumlich manifestiert sich diese Prozesshaftigkeit in den Installationen aus schwarz getuschten Glasnudeln, die sich entlang der Wände zu komplexen Gefügen entfalten. Sie reagieren auf jede Architektur neu und entfalten dabei eine eigentümliche Präsenz zwischen künstlicher Konstruktion und natürlichem Wachstum. Transformation und Vergänglichkeit bilden eine Konstante ihres Schaffens. Während die Videoinstallation Weisses Rauschen chemische Kristallisationsprozesse in eine audiovisuelle Erfahrung übersetzt, macht die Fotoserie Vergandung die langsame Einschreibung von Zeit in die Materie sichtbar. In jüngsten Plexiglasdrucken überlässt Baumgartner die Formgebung schliesslich ganz dem Material. Es sind genau diese sich selbst ordnenden Strukturen, die unseren Blick herausfordern. Sie eröffnen einen Assoziationsraum, der unweigerlich dazu verführt, das abstrakte Formenspiel zu entschlüsseln und darin stets vertraute Gestalten wiederzuerkennen.
Elwira Spychalska
/imagine/burning_6.jpg, 2023, oil on hardboard, 23 x 23 cm
/imagine/burning_4.jpg, 2023, oil on hardboard, 23 x 23 cm
/imagine/burning_1.jpg, 2023, oil on hardboard, 23 x 23 cm
/imagine/burning_2.jpg, 2023, oil on hardboard, 23 x 23 cm
/imagine/burning_5.jpg, 2023, oil on hardboard, 23 x 23 cm
/imagine/burning_3.jpg, 2023, oil on hardboard, 23 x 23 cm
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/imagine/burning_4.jpg, 2023, oil on hardboard, 23 x 23 cm
/imagine/burning_1.jpg, 2023, oil on hardboard, 23 x 23 cm
/imagine/burning_2.jpg, 2023, oil on hardboard, 23 x 23 cm
/imagine/burning_5.jpg, 2023, oil on hardboard, 23 x 23 cm
/imagine/burning_3.jpg, 2023, oil on hardboard, 23 x 23 cm
Mattania Bösiger untersucht in seiner Malerei die Bedingungen gegenwärtiger Bildproduktion und Bildwahrnehmung. Ausgangspunkt der Gemälde sind Darstellungen von Feuer – Motive, die meist aus Nachrichtenströmen stammen. Im Zentrum seines Interesses steht die Frage, wie digitale Verbreitung und wiederholte Betrachtung den Bedeutungsgehalt von Bildern prägen. Die Auswahl der Motive folgt dabei nicht allein ihrem dokumentarischen Inhalt, sondern auch ihren visuellen Qualitäten. Zwischen Katastrophe und Ästhetik entsteht ein Spannungsfeld, das die Ambivalenz unserer Bildkultur sichtbar macht. An die Stelle fotografischer Referenzen treten dabei digital generierte Vorlagen. Ergänzt wird die Werkgruppe durch Werke, die auf digital erfassten Naturformen basiert. Aus 3D-Scans entwickelte Bildobjekte werden am Computer manipuliert und anschliessend malerisch übertragen. Wie die Feuerbilder bewegt sich auch diese Arbeit zwischen Referenz und Simulation. Die Malerei wird so zum Ort der Reflexion über Bilder, deren Verhältnis zur Wirklichkeit zunehmend vermittelt, konstruiert und transformiert erscheint. Indem Bösiger diese künstlich erzeugten Szenen in Malerei übersetzt, verschiebt er die Frage nach der Glaubwürdigkeit von Bildern auf eine neue Ebene. Die Werke eröffnen einen Raum, in dem sich die Grenzen zwischen Erinnerung, Konstruktion und Wirklichkeit verschieben und die Herkunft der Bilder ebenso fraglich wird wie ihr Wahrheitsanspruch.
Elwira Spychalska
Franziska Furters Zeichnungen weigern sich, auf dem Papier zu bleiben. Sie wachsen in den Raum, sie hängen, schweben und legen sich wie ein flirrender Vorhang um uns. Ihre Arbeiten kreisen um Prozesse des Werdens und Vergehens. Inspiriert unter anderem von atmosphärischen Phänomenen ebenso wie von der visuellen Dynamik von Mangas entwickelt Furter eine Bildsprache, die zwischen Flüchtigkeit und Verdichtung oszilliert.
Ein gewebtes Netz aus Stift-Glasperlen schwebt wie feiner Nebel im Raum, während Textbanner die Ästhetik digitaler Leuchtbänder aufgreifen, obwohl sie das Ergebnis minutiöser Handarbeit sind. In den Perlenbändern verdichten sich Zitate zu leuchtenden Sprachströmen, die unsere eigene Existenz und die Verbindung des Ichs zur Welt reflektieren. Dass dieser Prozess der Transformation auch eruptive, kinetische Energie bedeuten kann, manifestiert sich in den Zeichnungen auf Papier. Aus der Tiefe der roten Tusche formiert sich eine leuchtende Sonnenkorona und verhandelt den Moment radikaler Formwerdung. Wiederum in ihrer Serie Flow, inspiriert von Augusto Giacomettis Gemälde «Bergbach», erprobt Furter mit gebündelten Buntstiften das Fliessen von Farbe und Bewegung. Linien verdichten sich, tauchen auf und verschwinden wie ein akustisches Rauschen. Am Ende wird der Raum zur Zeichnung, die wir durchschreiten, wie ein Netz, in dem sich die Zeit verfängt.
Elwira Spychalska
In einer zunehmend schnelllebigen Welt gleicht das Betreten einer Installation von Victoria Holdt dem Übergang in eine andere, entschleunigte Realität. Die Künstlerin erschafft immersive Räume an der Schnittstelle von Video, Skulptur und Sound, in denen Vertrautes auf Geheimnisvolles trifft und analoge Elemente mit technologischer Ästhetik verschmelzen. Inhaltlich entziehen sich Holdts Videoarbeiten bewusst jeder Eindeutigkeit. Sie operieren mit fragmentarischen Sequenzen von Körpern und Texturen, die organische Formen andeuten, aber stets schwer fassbar bleiben. Die Arbeiten bewegen sich fliessend zwischen Mikro- und Makroperspektiven und thematisieren wiederkehrende Zyklen und Verhaltensweisen. In diesem faszinierenden Schwebezustand setzt ein instinktives Wiedererkennen ein, noch lange bevor ein rationales Begreifen möglich wird. So entstehen Installationen, die nicht als abgeschlossene Objekte verstanden werden wollen, sondern als situative Ökosysteme: sensible Anordnungen, in denen sich das Verhältnis von Menschen, Natur und gebauten Umgebungen immer wieder neu verhandeln lässt. Holdts Werke laden dazu ein, jene Übergangszonen zu erkunden, in denen Schutz zur Grenze, Nähe zur Irritation und Vertrautheit zum Unheimlichen werden kann.
Elwira Spychalska