Project 25
Vernissage
Fr, 6. 3. 2026, 17 – 20 Uhr
casa delle masche
Camenisch / Vetsch
Philipp Gasser
Fritz Hauser / Thomas Gassmann
Robin Michel
Laura Mietrup
Peter Steinmann
In einer hügeligen Landschaft im Piemont befindet sich das casa delle masche, das Haus der Geister. Dem Musiker Fritz Hauser diente dieser Ort die letzten über 30 Jahre als Ort der Inspiration. Verschiedene Kunstschaffende haben den Ort besucht und sich inspirieren lassen. Es sind verschiedene Sound, Video, Foto und skulpturale Arbeiten entstanden.
Konzerte
Fr, 13.3.26, 19 Uhr Fritz Hauser, Perkussion & Martina Brodbeck, Cello
Sa, 14.3.26, 19 Uhr Fritz Hauser, Perkussion & Robin Michel, electronics
So, 15.3.26, 11 Uhr, Fritz Hauser, Perkussion solo
Sa, 28.3.26 / Fritz Hauser, Leonie Klein, Nùria Carbò, Johannes Fischer, Peter Conradin Zumthor, alle Perkussion
Mi, 8.4.26 /19 Uhr Fritz Hauser, Perkussion & Robin Michel, electronics
Do, 9.4.26 / 19 Uhr, Fritz Hauser, Perkussion solo
Fr, 10.4.26 / 19 Uhr, Fritz Hauser, Perkussion & Rob Kloet, Perkussion
In der Videoinstallation Nachtleben erforschen Christine Camenisch und Johannes Vetsch das Wechselspiel von Projektion, Architektur und Bildartefakt. Ausgangspunkt sind zwei Videoaufnahmen: die von Reben überwucherte Fassade des Hauses casa della masche und die Lichtformen, die im Inneren durch architektonische Elemente auf der Fassade entstehen. Beide Bildwelten sind fest mit ihrem konkreten Ort verwoben und zugleich in eine abstrakte Sphäre entrückt. Die Reben verwandeln das Haus in ein oszillierendes Gefüge aus Linien und Flächen, während das durch die Öffnungen fallende Licht sich in ständig verändernden Lichtspuren niederschreibt. Im Video verschränken sich diese Ebenen zu einem flirrendenRaum. Die Reben bilden eine pulsierende Textur, über die die animierten Lichtzeichen wandern, rotieren undsich verflüssigen. Durch die Negativumkehr der ursprünglichen Farben verändert sich das Farbspektrum: DasGrün der Reben wandelt sich in ein vibrierendes Violett, das an die expressiven Farbwelten von Halluzinationen in alten Grusel-, Fantasy, und Horrorfilme (des Gothic-Horrorfilms) erinnert. Dadurch verlagert sich die Arbeit von einer blossen Darstellung des Hauses und seiner Umgebung hin zu einem eigenständig gestalteten Bildraum.
Eine akustische Ebene von Robin Michels erweitert die Arbeit um eine zweite, immaterielle Schicht. Seine Klangkomposition aus verfremdeten Raumaufnahmen folgt den Bewegungen des Lichts, lässt den Raum pulsieren und steigert die Wahrnehmung der Betrachtenden zu einem mehrdimensionalen Erlebnis. Als raumgreifende Projektion lässt das Werk die Grenzen zwischen Innen und Aussen, Fläche und Tiefe sowie Wirklichkeit und Bild ineinander übergehen. Die Besucher:innen bewegen sich somit in einem sich wandelnden Ensemble aus Farbe, Formen, Licht, Schatten und Klang.
Peter Steinmann und Philipp Gasser haben die Installation Gli spiriti fanno dispetti (Schabernack) speziell für die Ausstellung Casa delle masche konzipiert. Sie beantwortet auf amüsante Weise die Frage, was in der Casa delle masche geschieht, wenn niemand anwesend ist und die Geister freien Lauf haben.
In Peter Steinmanns Fotografien erscheint das Haus nicht als klar umrissene Architektur, sondern als atmosphärische Erscheinung. Steinmann nimmt die Farbe aus den Bildern bewusst zurück, um die Wahrnehmung zu entlasten, den Blick zu klären und dem Publikum mehr Interpretationsspielraum zu eröffnen. Die Flächen leuchten gleichmässig, während Tiefen verschwimmen. Die Bilder hängen nicht klassisch an der Wand, sondern sind frei im Raum positioniert; dank einer speziellen Drucktechnik sind sie von beiden Seiten sichtbar. So entstehen schwebende, durchlässige Ebenen zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem.
Auf diese Fotografien projiziert Philipp Gasser aus einer zentralen Quelle präzis in die Fotografien eingepasste Animationen. Dadurch wird das Motiv nicht illustriert, sondern aktiviert. Die Projektion bringt die Dimensionen Zeit und Bewegung in die Fotografie und verwandelt sie in eine Bühne für flüchtige Störungen. Wie von Geisterhand verschieben sich Tische und Stühle, Gläser erscheinen und verschwinden, ein kreuzförmiges Geister-Zeichen taucht auf, verändert seine Form und löst sich wieder auf. Gasser beschreibt diese Dynamik als Schabernack, also als einen spielerischen Streich, der den Mythos des Geisterhauses nicht einfach behauptet, sondern die poetische Logik dahinter ernst nimmt. Dabei spielt er mit der Nähe der Wörter: masche (Geister auf Piemontesisch) und Maske (in der Animationstechnik so genannt, um Teile eines Bildes abzudecken) – ein Wortklang, der Verwandlung und Unheimliches mitschwingen lässt. In dieser Spannung entfaltet sich das Motiv des Geisterhauses als feines Unfugtreiben in Abwesenheit der Bewohner:innen.
Durch das Zusammenspiel der Fotografien, die auf einen konkreten Ort verweisen, und der Animation entsteht ein Raum des Dazwischen: zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, Erinnerung und Erfindung.
Laura Mietrups Installation Remi entfaltet sich wie eine leise, an der Wand entrollte Partitur. Ein Ensemble aus Stäben, Kanten, Vorsprüngen und kleinen metallischen Elementen fügt sich entlang der Wand zu einem Rhythmus. Die Formen wirken zugleich vertraut und rätselhaft. Sie erinnern an Möbel, technische Vorrichtungen oder bauliche Fragmente, entziehen sich jedoch jeder eindeutigen Funktion und gewinnen dadurch eine offene Zeichenhaftigkeit. Ausgangspunkt der Arbeit ist kein abstraktes System, sondern ein konkreter Ort: die Casa della Masche im Piemont. Aus einzelnen Beobachtungen – einem Tableau, einer Lampe, Treppen oder strukturellen Details – entwickelt Mietrup ein reduziertes Vokabular, das nicht einfach abbildet, sondern übersetzt. Erinnerungsstücke werden zu Versatzstücken, die eine neue räumliche Erzählung anstossen. Die aus Holz gefertigten Elemente sind mit Kreidegrund überzogen, einer matten, porösen Oberfläche, die sonst als Vorstufe der Malerei gilt. Er reagiert empfindlich auf Schatten, Abstand und Blickwinkel und macht so die räumliche Situation erfahrbar. Wie in vielen Arbeiten von Mietrup geht es dabei um das Zusammenspiel von Objekt und Umgebung. Unterschiedliche Blickachsen und die Veränderlichkeit des Lichts im Raum werden zu aktiven Bestandteilen der Installation. In dieser räumlichen Dramaturgie wird das Durchschreiten des Raums zu einer Bewegung zwischen Vertrautem und Fremdem, zwischen realer Architektur und ihrer abstrakten Echoform. So entsteht ein Werk, das nicht erklärt, sondern einstimmt. Es lädt dazu ein, den Raum wie eine Partitur zu erleben, als Resonanz, in der die Architektur nachklingt und zugleich neu erfunden wird.
Fritz Hausers casa delle masche, auf Deutsch Haus der Geister, ist weniger ein Rückzugsort als vielmehr ein Arbeitsinstrument. In der 5.1-Klanginstallation mit Fotografien wird das Haus als akustischer und visueller Erfahrungsraum erfahrbar. Die Tonspur entstand in Zusammenarbeit mit Thomas Gassmann und wurde direkt vor Ort aufgenommen. Hörbar ist die Akustik des Hauses, die Raumresonanzen, Bewegungen und Nachhall. Der Baukörper trägt den Klang nicht nur, er gestaltet ihn auch. Dem Klangraum steht ein visuelles Pendant gegenüber, das sich nicht auf den ersten Blick erfassen lässt. Hauser zeigt keine narrativen Szenen oder dramatische Blickachsen, sondern eine Reihe von Fotografien, die über mehrere Jahre in diesem Haus entstanden sind: Innenräume und ihre Fragmente, Oberflächen und Materialien sowie Lichtspuren und Reflexe. Es sind Details, in denen sich das Haus als Stimmung einschreibt. In sehr langsamen Überblendungen geht ein Bild in das nächste über. Dadurch entsteht kein erzählerischer Film, sondern eine langsame Bildfolge, die Details und Lichtverhältnisse betont und den Raumklang verbildlicht. Das Video verzichtet bewusst auf eine narrative Erzählung und lädt stattdessen zu einer meditativen Betrachtung ein.
Die Installation baut auf Hausers raumbezogener Praxis auf und macht Architektur als einen aktiven Resonanzraum erfahrbar. Die Ausstellung richtet den Fokus auf die casa delle masche: weg vom reinen Gebäude hin zu dem Ort der Erfahrung, an dem Wahrnehmung und Klang zusammenkommen und sich künstlerische Untersuchungen entfalten.
Mit Präsent entwickelt Robin Michel eine Installation, die Wahrnehmung als ein temporäres Ereignis erfahrbar macht. Ein Spiegel schwingt mithilfe eines nahezu unsichtbaren Motors, hält plötzlich inne, setzt seine Bewegung wieder fort und gestaltet so den Raum als eine Abfolge von Bewegung und Stillstand. Die Konstruktion ist so filigran gestaltet, dass die Technik kaum sichtbar ist. Der Spiegel wirkt, als bewege er sich aus eigener Logik. Dadurch verschiebt sich der Fokus vom Objekt als Maschine hin zum Moment der Begegnung. Präsent erscheint nicht als stabiler Zustand, sondern als rhythmische Setzung, die an der Schwelle zwischen Sichtbarkeit und Verbergen operiert. Kunsthistorisch betrachtet knüpft die Arbeit an den Spiegel als Medium der Mimesis und Selbstbezüglichkeit an, hinterfragt jedoch dessen traditionelle Funktion als Garant eines festen Bildes. Die Reflexion entgleitet, kippt leicht, bleibt abhängig von der Bewegung der Besucher:innen. Der Spiegel fungiert hier als dispositives Element. Er organisiert den Blick, die Position und die Distanz und verschiebt die Rolle des Publikums von der reinen Betrachtung hin zur Mitproduktion des Bildes. Eine zweite, akustische Ebene erweitert dieses Wahrnehmungsfeld. Sehr leise schabende und kratzende Reibungsgeräusche begleiten die Installation, teils als reale Klangspur des Objekts, teils als im Eingangsbereich hörbare, gefilterte Aufnahme, die in eine resonierende Fläche überführt ist. Im Gehen verschiebt sich die Hörbarkeit, mischt sich mit den eigenen Schritten, nähert sich und entzieht sich wieder. Spiegelung, Rhythmus und Klang verdichten sich so zu einer präzisen Studie des Präsenten als etwas, das im Vorübergehen kurz aufscheint und sich im nächsten Moment bereits verändert hat.